Pro Geisteswissenschaften / Focus on the Humanities
Bewilligungen / Grants 2009
Dilthey-Fellowships
Die Symbolik der Demokratie. Inszenierung, Repräsentation und die Konstitution des politischen Imaginären
Bewilligung: 16.06.2009 Laufzeit: 5 Jahre
Die Frage nach der Repräsentierbarkeit moderner Demokratien ist dringender geworden. Sie betrifft nicht nur die Handlungsdimension, sondern schließt v.a. die symbolische Dimension der Politik mit ein. Gerade auf der symbolischen Ebene scheint die politische Repräsentation eine neue Strukturierung zu erfahren. Nirgends lässt sich das Eindringen von Inszenierungs-, Visualisierungs- und Ästhetisierungsprinzipien aus den Massenmedien in die politische Repräsentation besser beobachten als bei der Inszenierung von PolitikerInnen im Fernsehen. Beispiele wie Silvio Berlusconi, Nicolas Sarkozy oder die ehemalige Bundespräsidentin der Schweiz, Micheline Calmy-Rey, zeigen, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Kennzeichnend für diese Inszenierungen sind die Distanz und teilweise der ironische Gestus der politischen Repräsentanten gegenüber ihrer Rolle. In dieser Situation sind sowohl die Politikwissenschaft als auch Disziplinen wie Soziologie und Kulturwissenschaft mit neuen Faktoren für die Konstitution des politischen Imaginären konfrontiert. Es geht um die grundsätzliche Bedeutung der symbolischen Repräsentation für die Konstitution des politischen Imaginären und Veränderungen ihrer Modulierung und Strukturen angesichts der massenmedialen Bedingungen.
Humboldt-Universität Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Lehrbereich Theorie der Politik
Dr. Paula Diehl
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Homepage: http://www.cmb.hu-berlin.de/cmb/
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"Realisatoren". Der Aufstieg der Architekten zwischen Krise und Rekonstruktion. Zentraleuropa 1910-1950
Bewilligung: 22.04.2009 Laufzeit: 5 Jahre
Der Architekt war im 20. Jahrhundert zweifellos einer der "Gewinnerberufe", eine Entwicklung, die in der Figur des "Stararchitekten" heute ihren medienwirksamen Ausdruck findet, aber hierin nicht aufgeht. Zumindest den herausragenden Vertretern der Profession erwuchsen ganz neue Gestaltungs- und Einflusschancen. In seiner politischen Verstrickung, aber auch in der vor dem Aufzug der Moderne ungekannten Verbindung von sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Deutungsmacht und Lösungsanspruch war der Berufsstand in so komplexer wie symptomatischer Weise mit den großen Entwicklungslinien wie Katastrophen der vergangenen 100 Jahre verbunden. Insbesondere moderne Architekten profitierten in immenser Weise von der Ausweitung des staatlichen Leistungsspektrums nach dem Ersten Weltkrieg während sie gleichzeitig von gesteigerten Loyalitätserwartungen eingeengt und in politische Instrumentalisierungen hineingezogen wurden. Das Projekt konzentriert sich auf Architekten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die als technische Experten in einem symbolisch aufgeladenen Feld agierten. Der Schwerpunkt liegt auf den zentral- und osteuropäischen Ländern Polen, Tschechoslowakei und Ungarn unter Einbeziehung des deutschen Beispiels.
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Dr. Martin Kohlrausch
Universitätsstraße 150
44801 Bochum
Tel.: 0049 234 322 8542
Fax: 0049 234 321 4240
Homepage: http://www.ruhr-uni-bochum.de/ngg/Kohlrausch.html
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Synergie. Technik und Glaube in der Slavia Orthodoxa
Bewilligung: 22.04.2009 Laufzeit: 5 Jahre
Synergie-Konzepte haben in unterschiedlichen Diskursfeldern der Natur- und Sozialwissenschaften sowie der Künste Konjunktur. Mit Synergie (synérgeia, griech. Zusammenwirken, Mitarbeit) werden kooperative Interaktionen bezeichnet, die zu einer neuen Qualität führen bzw. führen sollen. Wie greifen Synergie-Modellierungen in die Generierung und Strukturierung von Wissen ein, welches Innovationspotential haben sie für die Wissensgesellschaft heute und mit Blick auf die Zukunft? Das Projekt geht dieser Frage zunächst aus historischer Perspektive am Beispiel des slawisch-orthodoxen Kulturraums nach, der im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts transdisziplinäre, in der Religion präfigurierte Synergie-Konzepte hervorbrachte. In einer kulturwissenschaftlichen Studie werden - ausgehend von der neutestamentarischen Figur des synergós - weltanschauliche Erklärungsmodelle, globale Transformationsprojekte und Zukunftsentwürfe sowie Technologieentwicklungen untersucht, die angesichts des allgemeinen Krisenbewusstseins um 1900 von Grenzgängern zwischen den Disziplinen als Angebot unterbreitet wurden, zu einer Neuen Menschheit' aufzubrechen. Darüber hinaus werden in einem wissenschaftlichen Forum Bausteine für eine Kultur- und Wissensgeschichte der Synergie erarbeitet.
Zentrum für Literatur- und
Kulturforschung Berlin
Geisteswissensch. Zentren Berlin e.V.
Dr. Tatjana Petzer
Schützenstraße 18
10117 Berlin
Tel.: 030 20 192 173
Fax: 030 20192 154
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Russlands Aufbruch in die Moderne. Technische Innovation und die Neuordnung sozialer Räume im 19. Jahrhundert
Bewilligung: 22.04.2009 Laufzeit: 5 Jahre
Das Vorhaben wurde am 25.07.2011 von München nach Basel umgesetzt.
Ziel des Projektes ist es, die politischen, sozialen und kulturellen Folgen der infrastrukturellen Vernetzung des Russischen Reiches durch Eisenbahn und Telegrafie von den 1830er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg zu untersuchen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Neuordnung geografischer Räume durch moderne Verkehrs- und Kommunikationstechnik politische Herrschaft, Mobilität und Kommunikation sowie raumbezogene Ordnungsvorstellungen und Wahrnehmungsmuster veränderte. Am Beispiel des imperialen Russland wird das Wechselverhältnis von technischer Innovation, gesellschaftlichem Wandel und Transformation sozialer Räume untersucht. Ziel ist es, für die historische Forschung in Deutschland ein neues, interdisziplinäres Forschungsfeld zu erschließen, das Fächergrenzen der Geschichte, Soziologie, Geografie und Technikwissenschaften überschreitet, neue Einsichten in die Funktionsweise imperialer Herrschaft im 19. Jahrhundert im Allgemeinen verspricht und gleichzeitig zu unserem Verständnis gesellschaftlicher Veränderungen durch die Intensivierung von Mobilität und Kommunikation im Zeitalter der Globalisierung nachhaltig beiträgt.
Universität Basel
Historisches Seminar
Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk
Hirschgässlein 21
CH-4051 Basel
SCHWEIZ
Tel.: 0041 61 2959656
Fax: 0041 61 2959540
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Opus magnum
Licht, Farbe und Finsternis: Newtons optische Beweise und Goethes Beweis-Kritik im Lichte moderner Wissenschaftsphilosophie
Bewilligung: 12.02.2010 Laufzeit: 2 Jahre
Newton behauptet, mithilfe primatischer Experimente beweisen zu können, dass weißes Sonnenlicht aus verschiedenfarbigen Lichtstrahlen zusammengesetzt sei; Goethe widerspricht Newton und bietet neue Experimente an, die sich allesamt sauber reproduzieren lassen und aus denen sich mit derselben Beweislogik ergibt: Finsternis ist aus verschiedenfarbigen Schattenstrahlen zusammengesetzt. Dieser Einwurf Goethes ist wissenschaftstheoretisch besser, als man gemeinhin denkt; aber er untergräbt nicht die Fundamente unseres Denkens über das Licht und die Farben. Bei sorgfältiger Analyse der fraglichen Experimente und ihrer modernen Nachfolger lassen sich die Stärken beider Farb- und Lichtforscher zusammenbringen. Dabei werden auch die Ergebnisse der allerneuesten Farbforschung berücksichtigt.
Humboldt-Universität Berlin
Institut für Philosophie
Prof. Dr. Olaf Müller
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Tel.: 030 2093 2206
Fax: 030 2093 2290
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Transformationen neugermanischen Heidentums seit 1900
Bewilligung: 20.11.2009 Laufzeit: 1 Jahr 6 Monate
Die Welt "nordischer" Mythen, wie sie vorwiegend in mittelalterlichen isländischen Quellen überliefert ist, inspiriert bis heute weite Bereiche des (populär-)kulturellen Lebens und erreicht derzeit in der Musikszene (Metal und Neo-Folk), in der Rollenspielszene, in Fantasyfilm und Literatur und im Internet einen neuen Höhepunkt. Dass hinter diesen imaginierten Bildwelten eine kleine, jedoch höchst aktive, rund 100-jährige religiöse Subkultur steht, ist hingegen kaum bekannt. Diese Subkultur vermittelt einerseits ihre Ideen und Imaginationen in Felder. Andererseits schöpft sie ihrerseits Ideologeme und Glaubensinhalte aus politischen (nicht zuletzt auch völkischen), wissenschaftlichen und künstlerischen Strömungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Gegenstand des geplanten Buchprojekts ist eine umfassende qualitative empirische Untersuchung von Gruppierungen in Deutschland, den USA, Großbritannien und Skandinavien, die zum Ziel haben, das, was sie für vorchristliche "germanische" Religionsformen halten, wieder zu beleben und die unter Namen wie Asatru, Odinismus, Alte Sitte u. ä. firmieren. Dabei stehen die erwähnten historischen und aktuellen Austauschbeziehungen zwischen der Ideenwelt des "neugermanischen Heidentums" sowie neuen sozialen und politischen Bewegungen, Wissenschaft und Kunst im Zentrum des Interesses.
Humboldt-Universität Berlin
Philosophische Fakultät II
Nordeuropa-Institut
Prof. Dr. Stefanie von Schnurbein
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Tel.: 030 20 93 97 40
Fax: 30 20 93 53 25
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"Das Kojiki - Archaischer Text oder 'Heilige Schrift' der japanischen Moderne?"
Bewilligung: 12.08.2009 Laufzeit: 1 Jahr
Das Koijiki ("Chronik alter Begebenheiten") aus dem Jahr 712 n. Chr. ist der bedeutendste normative Text der japanischen Nationalreligion Shintô, der letztlich das gesamte religiös-politische System Japans begründet. Mit der Neuübersetzung und vor allem dem wissenschaftlichen Kommentar will Professor Antoni diesen altjapanischen Text historisch und textkritisch differenziert erläutern. Zugleich möchte er darstellen, wie und warum das Koijiki seine eigentliche Bedeutung erst mit dem Aufkommen des religiösen Nationalismus im Japan des 18. und 19. Jahrhunderts erhalten hat. Die Neuinterpretation dieses japanischen Texts kann auch einen Schlüssel für die Erklärung anderer politisch-religiöser Fundamentalismen bieten.
Universität Tübingen
Seminar für Japanologie
Prof. Dr. Klaus Antoni
Wilhelmstr. 90
72074 Tübingen
Tel.: 07071 297 3990
Fax: 07071 551 486
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Fachgeschichte der Bundesdeutschen Ethnologie von 1948 bis 1990
Bewilligung: 29.06.2009 Laufzeit: 2 Jahre
Ziel des Opus Magnum Projektes ist, die Potenziale und Herausforderungen der deutschen Ethnologie (früher: Völkerkunde) herauszuarbeiten sowie die Entwicklungslinien der Disziplin und ihre Fachbestände (Gegenstände, Fragen und Methoden) vollständig zu dokumentieren. Ein vergleichbares Buch, das sich dieser Thematik in so umfassender Weise - und daher als Opus Magnum - zuwendet, ist bislang nicht geschrieben worden. Damit wird nicht nur eine Forschungslücke geschlossen. Es geht auch darum, fachspezifische Eigenheiten zu bergen, die von der Fachliteratur bisher nicht berücksichtigt werden. Im Sinne des "World Anthropologists Network" kann die deutsche Ethnologie in der internationalen anthropologischen Diskussion ihren Beitrag leisten, um die Hauptgegenstände der Ethnologie - Kultur, Ethnizität und Fremdheit - neu zu beleuchten.
Universität Bochum
Fakultät für Sozialwissenschaft
Lehrstuhl für Sozialanthropologie
Professor Dr. Dieter Haller
Universitätsstraße 150
44780 Bochum
Tel.: 0234 3227690
Fax: 0234 32 14570
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Africa and International law / Afrika und das Völkerrecht
Bewilligung: 09.03.2009 Laufzeit:
Das Projekt wurde am 23.09.2009 von Kiel nach Potsdam umgesetzt.
Europa und Afrika verbindet eine lange, nicht immer unproblematische Vergangenheit. Neuere Entwicklungen wie die Gründung der Afrikanischen Union belegen, dass Afrikas globaler Geltungsanspruch zunimmt. Politisch zeigt sich dies etwa in der Erklärung des Heiligendammer G8-Gipfels zu "Wachstum und Verantwortung in Afrika" oder in der von Bundespräsident Köhler initiierten "Partnerschaft mit Afrika". Auch Afrikas Einfluss auf die Entwicklung des Völkerrechts ist weitreichend. Dabei zeigen sich afrikaspezifische Sonderentwicklungen, wie etwa spezielle Vorstellungen zum völkerrechtlichen Menschenrechtsschutz oder zum Völkerstrafrecht, in das Modelle für alternative oder ergänzende Methoden der Wiedergutmachung Eingang gefunden haben. Das "Opus magnum" zielt auf diese und andere Besonderheiten im Völkerrecht Afrikas. In einer als Querschnittstudie anlegten, englischsprachigen Monographie für verschiedene Bereiche soll untersucht werden, ob und inwieweit afrikanische Interessen und Staatenpraxis bislang das regionale oder universelle Völkerrecht moderner Prägung beeinflusst haben beziehungsweise inwieweit sich speziell auf Afrika zugeschnittene Fortentwicklungen des Völkerrechts feststellen lassen oder in der Zukunft noch zu erwarten sind.
Prof. Dr. Andreas Zimmermann
Universität Potsdam
Juristische Fakultät
Lehrstuhl für Öffentliches Recht
August-Bebel-Straße 89
14482 Potsdamhttp://www.uni-kiel.de/internat-recht/wissper/zimmermann.htm
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Informationen
zu dieser Initiative:
Merkblatt
Bislang geförderte Projekte:
Bewilligungen 2011
Bewilligungen 2010
Bewilligungen 2009
Bewilligungen 2008
Bewilligungen 2007
Bewilligungen 2006
allgemein:
Was Antragsteller wissen müssen