Pro Geisteswissenschaften / Focus on the Humanities

Bewilligungen / Grants 2006


Dilthey-Fellowships

Wissensgeschichte der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert

Bewilligung: 22.05.2006 Laufzeit: 5 Jahre

Das Projekt behandelt mit den Agrarwissenschaften ein Themenfeld, das zu den letzten wirklich großen Dunkelfeldern im Bereich der Wissenschaftsgeschichte gehört. Vor allem im 20. Jahrhundert vollzog sich im Agrarbereich ein umfassender Verwissenschaftlichungsprozess, dessen Resultat, die moderne Intensivlandwirtschaft, heute Gegenstand heftiger tagespolitischer Kontroversen ist. Das Projekt untersucht dabei nicht nur die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung, sondern nimmt durch eine Erweiterung der Wissenschaftsgeschichte zur Wissensgeschichte auch die landwirtschaftlichen Praktiker in den Blick. Wie gelangte wissenschaftliches Know-how zu den Landwirten - und wie reagierten die Forscher auf Impulse aus der Agrarpraxis? Das Projekt geht von der These aus, dass die Verwissenschaftlichung der Landwirtschaft für den größeren Teil des 20.Jahrhunderts einen uneinheitlichen und fragmentarischen Charakter besaß und der Siegeszug der Intensivlandwirtschaft nicht nur auf der intensiven Rezeption wissenschaftlicher Erkenntnisse beruhte, sondern auch auf der Ausblendung bestimmter Wissensbestände, die nicht zum Primat einer kurzfristigen Ertragsmaximierung zu passen schienen. Insofern zielt das Projekt auch darauf, die Erosion von Wissensbeständen als Kernprozesse der Wissensgesellschaft zu begreifen.  

Deutsches Museum München
Forschungsinstitut
Dr. Frank Uekötter
Museumsinsel 1
80538 München
Tel.: 089 2179 532

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Ostjudentum zwischen Literatur und Malerei: Marc Chagall

Bewilligung: 22.05.2006 Laufzeit: 5 Jahre

Der aus dem russisch-jüdischen Vitebsk stammende Marc Chagall steht in einem vielfältigen Bezugssystem zur russischen, vor allem aber zur ostjüdischen Kunst, Literatur und Kultur. Das interdisziplinär und international ausgerichtete Forschungsprojekt mit kunst-, literatur- und kulturwissenschaftlicher Ausrichtung untersucht in einem intermedialen Text-Bild-Vergleich Kernthemen und -elemente des Ostjudentums, wie sie in der Malerei Marc Chagalls und in der ostjüdischen Literatur künstlerisch erarbeitet wurden. Anhand des entsprechenden Bild- und Graphikmaterials und relevanter Texte insbesondere der jiddischen, aber auch der polnisch- oder russisch-jüdischen Literatur wird einerseits die intensive Wechselwirkung zwischen Literatur und Chagalls Malerei analysiert. Chagalls eigenes literarisches Schaffen findet hier besondere Berücksichtigung. Andererseits geht es wesentlich um die medial wie ästhetisch unterschiedlich fixierte und vermittelte (ost-)jüdische Lebens- und Denkwelt. Die beiden Einzelkünste werden hier auf ihr ästhetische und ethisches, aber auch identitäts- und gedächtnisstiftendes Potenzial hin in den Blick genommen.  

Universität Regensburg
Institut für Slavistik
Dr. Sabine Koller
Postfach
93040 Regensburg
Tel.: 0941 943 3403
Fax: 0941 943 1988

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Zur spezifisch menschlichen Entwicklung individueller und kollektiver Intentionalität

Bewilligung: 22.05.2006 Laufzeit: 5 Jahre

Das Vorhaben wurde am 30.04.2009 von Leipzig nach Göttingen umgesetzt.

Die kognitiven Fähigkeiten, die Kinder im ersten Lebensjahr entwickeln, teilen sie mit vielen anderen Primatenspezies - Fähigkeiten des intentionalen Handelns und basale Formen sozialen Verstehens beispielsweise. Ab etwa einem Jahr jedoch nimmt die menschliche Entwicklung eine einzigartige Wendung: Kinder wachsen in Kultur, Gesellschaft und Sprache hinein. Die kognitive Grundlage dafür, so die These, der in dem Projekt nachgegangen wird, liegt in der spezifisch menschlichen Befähigung zu kollektiver "Wir"-Intentionalität. Die frühe Entwicklung verschiedener Formen kollektiver Intentionalität von einfacher Kooperation über sozialen Werkzeuggebrauch bis hin zu gemeinsamen regelgeleiteten Handlungsformen und deren Rückwirkung auf individuelle Intentionalität wird in diesem Projekt empirisch nachgezeichnet durch Studien mit Kindern ab dem zweiten Lebensjahr und ggf. durch komparative Studien mit Menschaffen.

Universität Göttingen
Institut für Psychologie
Prof. Dr. Johannes Rakoczy
Waldweg 26
37073 Göttingen
Tel.: 0551 39 9235
Fax: 0551 39 9322

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Symbiose von Sprache und Handlung

Bewilligung: 22.05.2006 Laufzeit: 5 Jahre

Das zentrale Anliegen des Projektes ist, zu untersuchen, wie die Symbiose von Sprache und Handlung die kognitive und sprachliche Entwicklung eines Kindes fördert und wie sich diese Symbiose für künstliche Systeme (soziale Roboter) nutzen lässt, damit diese menschliche Handlungen erkennen und auszuführen lernen. Der Einfluss der Sprache auf das Handlungswissen wird am Verhalten der Eltern untersucht, wenn sie ihren Kindern Objekte und ihre Funktionen zeigen. Darüber hinaus soll in einer längsschnittlichen Studie zum Beitrag von kommunikativen Handlungen zur Bedeutungskonstitution im Spracherwerb die Semantik und Pragmatik einer Zeigegeste in verschiedenen Situationen (Lesen, freies Spiel) untersucht werden. Die im Rahmen der Analysen mit dem algorithmischen Erkennungssystem für Bewegungen und Prosodie erzielten ersten Ergebnisse sollen Aufschluss geben über Parametermodifikationen, die in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Angewandte Informatik auf künstliche Systeme als 'top down constraints' übertragen werden. 

Universität Bielefeld
Technische Fakultät
AG Angewandte Informatik
Dr. Katharina J. Rohlfing
Postfach 100131
33594 Bielefeld
Tel.: 0521 106 2934
Fax: 0521 106 2992

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Epistemologie des Hörens (1850-2000)

Bewilligung: 22.05.2006 Laufzeit: 5 Jahre

Im Rahmen des Projekts "Epistemologie des Hörens (1850-2000)" werden Konzepte untersucht, die für unsere heutige Auffassung von Schall, Hören und Musik konstitutiv geworden sind. Gefragt wird, welchen Voraussetzungen und Bedingungen das Hören unterliegt und wie es sich historisch gewandelt hat. Ausgehend von der Neubegründung der Hörphysiologie durch Hermann von Helmholtz geht es um den Zusammenhang von Physiologie, Psychologie und Ästhetik des Akustischen zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart. Das Wissen vom Akustischen, das bis weit ins 19. Jahrhundert durch den symbolischen Code der Musik angeleitet war, hat sich unterdessen schrittweise in eine experimentalwissenschaftliche Erforschung des Hörens transformiert, die sich in der Musikästhetik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als eine Reflexion der eigenen medialen Bedingungen zeigt. Mit einer Studie zu Helmholtz' physiologischer Grundlegung der Musiktheorie, exemplarischen Studien zur experimentellen Erforschung des Hörens zwischen 1900 und 1930 sowie medienhistorischen Analysen zur Musik nach 1945 will das Projekt über diese Geschichtlichkeit des Hörens Auskunft geben.

Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
Dr. Julia Kursell
Boltzmannstraße 22
14195 Berlin
Tel.: 030 22 667 240

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The typology of language acquisition: a cross-linguistic corpus-based study of Chintang, Russian and English

Bewilligung: 22.05.2006 Laufzeit: 5 Jahre

Im Zentrum des Projektes steht der Spracherwerb in den Sprachen Russisch, Englisch und Chintang (eine bedrohte sino-tibetische Sprache in Nepal). Die Kernfrage ist, ob es unterschiedliche Strategien im Spracherwerb von Sprachen gibt, die sich in Grammatik und Erwerbskontext stark unterscheiden. Das Projekt beinhaltet eine bedrohte Sprache, die in einem völlig anderen kulturellen Kontext gesprochen wird. Derzeit sind ungefähr 50% der ca. 7000 Sprachen vom Aussterben bedroht, und nur jetzt ist es noch möglich, den Erwerb einiger dieser Sprachen zu untersuchen. Die zugrunde gelegten Daten sind natürliche Sprachdaten von Kindern im Alter von 2-4 Jahren, die mit ihren Bezugspersonen interagieren. Kinder werden in regelmässigen Abständen über einen Zeitraum von über einem Jahr mit Video aufgenommen und ihre Äusserungen und die ihrer Bezugspersonen werden dann verschriftlicht und grammatisch analysiert. Von speziellem Interesse sind der Erwerb von Wortstellung, Morphologie, Aspekt und die Strukturen und die Rolle kindgerichteter Sprache in diesen Sprachen.

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Dr. Sabine Stoll
Deutscher Platz 6
04103 Leipzig
Tel.: 0341 355 04 02
Fax: 0341 998 56 66

Weitere Bewilligungen werden durch die Fritz Thyssen Stiftung ausgesprochen.

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"opus magnum"

Die Rückführung der Handlungstheorie in die Ethik. Eine neue Sicht auf die Freiheitsdebatte

Bewilligung: 11.12.2006 Laufzeit: 2 Jahre

Während die Moralphilosophie seit der Aufklärung ohne Verankerung bleibt, weil sie beim Bestreben, das Gute wissenschaftlich zu begründen, den umfassenden Rahmen praktischen Verstehens aus dem Blick verloren hat, bleibt auf der anderen Seite die Handlungstheorie punktuell und richtungslos, weil sie praktische Grundbegriffe ohne Rücksicht auf ihre Lokalisierung in einem umfassenden ethischen Begriffsrahmen sieht, der durch die Fokussierung auf den Begriff des Guten strukturiert ist. Im Rahmen der "opus magnum"-Freistellung soll diese komplexe These über die Handlungstheorie philosophiehistorisch und für die gegenwärtigen Debatten belegt werden. Zugleich geht es um den Versuch, die konstatierte Orientierungslosigkeit der Handlungstheorie zu überwinden, indem ihre Probleme wieder in eine ethische Theorie zurückgeführt werden. Für die Zeit der Freistellung wird Professor Wolf durch Privat-Dozent Dr. Walter Pfannkuche vertreten.

Universität Mannheim
Philosophische Fakultät
Lehrstuhl Philosophie II
Professor Dr. Ursula Wolf
Schloss, EO 273
68131 Mannheim
Tel.: 0621 181 2183
Fax: 0621 181 2186

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Glanz und Elend des aufrechten Ganges. Geschichte eines anthropologischen Denkmotivs

Bewilligung: 26.07.2006 Laufzeit: 1 Jahr 6 Monate

Der aufrechte Gang gilt seit jeher als ein dem Menschen nicht nur eigentümliches Merkmal, sondern zugleich als dessen körperlicher Ausdruck. Er ist schon sehr früh zum Gegenstand theoretischer Selbstbetrachtung des Menschen geworden und spielt die gesamte Geschichte des anthropologischen Denkens hindurch eine Schlüsselrolle. Eine historisch übergreifende Darstellung dieser Deutungsgeschichte soll mit dem geplanten Vorhaben nun erstmals geschehen. Die historische Darstellung und Analyse reicht von der griechischen Antike bis in die Gegenwart und hat einen Schwerpunkt im Bereich der Philosophiegeschichte. Auch theologische und naturwissenschaftliche Quellen sollen einbezogen werden. Die Professur von Professor Bayertz wird während der Arbeit an dem Vorhaben durch Priv.-Doz. Dr. Neil Roughley vertreten.

Universität Münster
Philosophisches Seminar
Professor Dr. Kurt Bayertz
Domplatz 23
48143 Münster
Tel.: 0251/83-24460
Fax: 0251/83-24268

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Bernard Bolzano - Leben, Werk und Wirkung

Bewilligung: 26.07.2006 Laufzeit: 2 Jahre

Bernard Bolzano (1781-1848) gilt unter den Klassikern der Philosophie immer noch als der große Unbekannte - obwohl er als "Urgroßvater" sowohl der analytischen Philosophie wie der Phänomenologie bezeichnet werden kann. Mit dem geplanten Werk "Bernard Bolzano - Leben, Werk und Wirkung" möchte Professor Künne Bolzanos Leben vor dem Hintergrund der politischen und kulturellen Geschichte Böhmens und seiner Vaterstadt Prag schildern, seine wichtigsten Werke philosophisch vergegenwärtigen und seine philosophische und politische Wirkungsgeschichte darstellen.

Für die Zeit seiner Freistellung wird Professor Künne von Priv.-Doz. Dr. Tobias Rosefeldt vertreten.

Universität Hamburg
Philosophisches Seminar
Professor Dr. Wolfgang Künne
Von-Melle-Park 6
20146 Hamburg
Tel.: 040/4123-2687
Fax: 040/4123-4785

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Soziale Netzwerke in der politischen Kultur des 19. Jahrhunderts

Bewilligung: 26.07.2006 Laufzeit: 2 Jahre

Im Rahmen des Projekts sollen die Ergebnisse eines über Jahre durchgeführten Datenbankprojektes abschließend in Buchform gebracht werden. Das Vorhaben befasst sich mit dem politischen Verhalten der ganzen städtischen Bevölkerung Esslingens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere mit den sozialen Strukturen und Netzwerken, die der politischen Kultur dieser Zeit ihre Gestalt gegeben haben. Die Untersuchung beginnt mit dem Übergang der ehemaligen Reichsstadt Esslingen in das Königreich Württemberg und soll mit der politischen Kultur in der Revolution 1848/49 und der Restauration 1851/54 enden. Gearbeitet wird mit strukturierten Netzwerkanalysen, die auf mathematischen Graphmodellen basieren. Sie werden als Form der Visualisierung von Beziehungsnetzen eingesetzt und dienen der Analyse der Positionierung einzelner Akteure im gesamten Gefüge der politischen Handlungsfelder. Die Professur von Frau Professor Lipp wird während der Laufzeit vertreten von Priv.-Doz. Dr. Sabine Kienitz.

Universität Göttingen
Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie
Professorin Dr. Carola Lipp
Friedländer Weg 2
37085 Göttingen
Tel.: 0551 39 5348
Fax: 0551 39 2232
Homepage: http://www.kaee.uni-goettingen.de/personal/lipp/lipp.htm

Weitere Bewilligungen werden durch die Fritz Thyssen Stiftung ausgesprochen.

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