Erinnerung und Gedächtnis. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt
Prof. Dr. Hans J. Markowitsch, Universität Bielefeld
Prof. Dr. Harald Welzer, Center for Interdisciplinary Memory Research, KWI Essen
Das von der VolkswagenStiftung von 2001-2005 geförderte Projekt „Erinnerung und Gedächtnis“ verknüpfte natur- und sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden, um die menschliche Gedächtnis- und Gehirnentwicklung aus der benötigten interdisziplinären Perspektive zu untersuchen.
Unter Leitung von Prof. Dr. Hans J. Markowitsch (Universität Bielefeld) und Prof. Dr. Harald Welzer (Center for Interdisciplinary Memory Research, Essen) gelang es dem Forschungsteam, ein einzigartiges bio-psychosoziales Entwicklungsmodell des Gedächtnisses zu entwerfen. Dieses Modell vermag neben den Prozessen der Gehirnentwicklung und den entstehenden Fähigkeiten des Erinnerns, auch altersspezifisch mögliche Wechselwirkungen abzubilden. Mithilfe verschiedener Erhebungsverfahren konnte belegt werden, dass und inwiefern der Mensch seine Biografie und seine Erinnerungen, bedingt durch ein Wechselspiel biologischer und sozialer Einflussfaktoren, immer neu bewertet und erzählt. Die Verschiebungen der Gedächtnisstruktur werden auf neuronaler Ebene gespiegelt.
Die extensiven Studien des Projekts geben einen Überblick über die aktuellen Kenntnisse zur Entstehung des menschlichen Gedächtnisses und zeigen wie unterschiedlich das autobiographische Gedächtnis, je nach Lebensphase, emotionalen und kulturspezifischen Dimensionen arbeitet, und wie es mit der menschlichen Persönlichkeit und dem bewussten Selbst verflochten ist.
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Team
Jacques Chlopczyk
Olaf Jensen
Torsten Koch
Anja Lemke
Hans J. Markowitsch
Silke Matura
Silvia Oddo
Karin Schürmann
Anna Schwab
Harald Welzer
Projektseiten
Uni Bielefeld
KWI
Publikationen
Bücher
1. Markowitsch, H.J. & Welzer, H. (2009). The Development of Autobiographical Memory. London: Psychology Press.
2. Welzer, H. & Markowitsch, H.J. (Hg.) (2006). Warum Menschen sich erinnern können. Fortschritte der interdisziplinären Gedächtnisforschung. Stuttgart: Klett-Cotta.
3. Markowitsch, H.J. & Welzer, H. (2005): Das autobiographische Gedächtnis. Hirnorganische Grundlagen und biosoziale Entwicklung. Stuttgart: Klett-Cotta.
4. Kühnel, S. & Markowitsch, H.J. (2009). Falsche Erinnerungen. Heidelberg: Spektrum.
5. Markowitsch, H.J. (2009). Das Gedächtnis: Entwicklung – Funktionen – Störungen. München: C.H. Beck.
6. Welzer, H. (2002). Das kommunikative Gedächtnis. Eine Theorie der Erinnerung. München: C.H. Beck.
Artikel
1. Welzer, H. (2010). Entwicklung von Intersubjektivität und autobiographischem Gedächtnis. In Ludger Hoffmann (Hg.), Die Matrix der menschlichen Entwicklung. Berlin: de Gruyter (forthcoming).
2. Welzer, H. (2010). Erinnerungskultur und Zukunftsgedächtnis. In Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 25-26, 16-29.
3. Oddo, S., Lux, S., Weiss, P.H., Schwab, A., Welzer, H., Markowitsch, H.J. & Fink, G.R. (Nov 7, 2010). Specific role of medial prefrontal cortex in retrieving recent autobiographical memories: an fMRI study of young female subjects. Cortex, 46 (1), 29-39.
4. Welzer, H. (2009). Re-Narrations. How Pasts Change in Conversational Remembering. Memory Studies, 3, 1, 5-17.
5. Markowitsch, H.J. (2008). Autobiographic memory: A biocultural relais between individuum and environment. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 258 [Suppl. 5], 98-103.
6. Welzer, H. (2008). Communicative Memory. In: Astrid Erll & Ansgar Nünning (Eds.), Cultural Memory Studies. An International and Interdisciplinary Handbook (pp. 285-298). Berlin/New York: de Gruyter.
7. Welzer, H. (2008). Die Medialität des menschlichen Gedächtnisses. BIOS, 19, 1, 15-32.
8. Welzer, H (2007). Kunst als soziales Gedächtnis. In: Martin Sabrow (Hg.), Zeiträume (S. 204-214). Berlin: Transit.