Dokumentation bedrohter Sprachen / Documentation of Endangered Languages

Bewilligungen / Grants 2005

Documentation of the Marquesan languages and culture in French Polynesia

Bewilligung: 26.03.2003 Laufzeit: 3 Jahre
Das Vorhaben wurde am 12.09.2005 von XD Nijmegen nach Kiel umgesetzt.

The present project intends to document the indigenous languages and culture on the Marquesan archipelago in French Polynesia (South Pacific). The two Marquesan languages, South-East Marquesan and North-West Marquesan, are highly endangered languages because parents and caretakers do not transmit the indigenous languages to their children any more. In most parts of the Marquesan islands, children nowadays learn French as a first language. A media revolution in the 1980s and western 'modernisation' in French Polynesia and on the Marquesas after 2nd World War did not only have drastic and devasting effects on the indigenous languages, but also on communicative practices and the transmission of indigenous cultural practices. It is intended to document various aspects of the Marquesan languages and culture in collaboration with the recently created Académie marquisienne: food and food preparation, plants and natural plant products (including natural plant medicine), aspects of the material culture and fishing and navigational practices. These aspects of the traditional life shall be complemented by a collection of narratives such as legends, personal stories, poems, songs, missionary stories and stories of supernatural beliefs.

Universität Kiel
Seminar für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft
Dr. Gabriele H. Cablitz
Olshausenstraße 40
24098 Kiel
Tel.: 0431 880 2413
Fax: 0431 880 7405
Homepage: http://www.linguistik.uni-kiel.de

Max-Planck-Institut für Psycholinguistik
Dr. Gabriele H. Cablitz

AH Nijmegen
NIEDERLANDE

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Documentation of Cashinahua (Panoan): Animacy and mythology in Huni Kuin (Cashinahua): a study of linguistic and cognitive categorization in a Panoan language

Bewilligung: 11.07.2005 Laufzeit: 3 Jahre

Zielsprache dieses Dokumentationsvorhabens ist das Cashinahua, eine von 30 so genannten Pano-Sprachen, die in zwei Gebieten diesseits und jenseits der brasilianisch-peruanischen Grenze gesprochen wird. Ursprünglich lebten die Cashinahua im Juruabecken in Brasilien, doch als im späten 19. Jahrhundert während des Gummi-Booms die Indio-Gruppen zu Zwangsarbeitern gemacht werden sollten, floh eine kleine Gruppe zunächst in den Dschungel und dann über die Grenze nach Peru. Während die peruanischen Cashinahua noch vielfältige alte Traditionen bewahren konnten, hat sich der Lebensstil der brasilianischen Cashinahua schon weitgehend dem des Westens angeglichen. In beiden Siedlungsgebieten jedoch wird die Sprache nicht mehr an die Kindergeneration weitergegeben. Im Rahmen des Projekts soll eine reichhaltige Dokumentation aufgebaut werden, in die bestehendes Audiomaterial integriert wird. Neue Videoaufnahmen werden von verschiedensten Textgenren sowie von der Arbeit der Männer im Wald und von den Körperzeichnungen der Frauen gemacht. Das deutsch-französische Projektteam besteht aus Dr. Eliane Camargo, Centre d'Etudes des Langues Indigènes d'Amerique/CNRS, Dr. Philippe Erikson, Université de Paris X-Nanterre, und der deutschen Doktorandin Sabine Reiter am Max-Planck-Institut in Leipzig.

Max-Planck-Institut für evolutionäre
Anthropologie
Abteilung für Linguistik
Professor Dr. Bernard Comrie
Deutscher Platz 6
04103 Leipzig
Tel.: 0341 3550 301
Fax: 0341 3550 333
Homepage: http://email.eva.mpg.de/~comrie/

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Jaminjungan and Eastern Ngumpin: A documentation of the linguistic and cultural knowledge of speakers in a multilingual setting in the Victoria River District, N. Australia 

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre
Das Vorhaben wurde am 23.03.2007 von Graz nach Manchester umgesetzt.

Am unteren Flusslauf des Victoria River in Nordaustralien siedelten über viele hundert Quadratkilometer hinweg kleine Sprechergemeinschaften zweier Sprachgruppen, die unterschiedlichen genealogischen Affiliationen zuzurechnen sind, aber aufgrund ihres Zusammenlebens eine Reihe von bemerkenswerten Sprachkontaktphänomenen entwickelt haben. Zu den Jaminjungan gehört das Jaminjung und Ngaliwurru, zum Eastern Ngumpin das Gurindji, Ngarinyman, Bilinarra und Mudburro. Die Menschen haben unter der blutigen Geschichte Australiens besonders gelitten: Nachdem der Victoria River durch Commander J. L. Stokes 1834 erforscht worden war, legten ab 1880 weiße Siedler große Rinderfarmen an und setzten ihre wirtschaftlichen Interessen gegen den Widerstand der Aborigines blutig durch. Im Rahmen des Vorhabens soll ein signifikanter Korpus von Audio- und Videoaufnahmen dieser zwei Sprachvarietäten erstellt werden, wobei vor allem der aktuelle Sprachgebrauch in dem multilingualen Setting mit besonderem Fokus auf Code-Switching sowie dialektalen und idiolektalen Varianten gelegt wird. Darüber hinaus liegt ein besonderer Schwerpunkt auf Oral History, um die bislang nicht geschriebene Geschichte der Aborigines dieser Region aufzuzeichnen. 

University of Manchester
Faculty of Humanities
School of Languages, Linguistics and Cultures
Prof. Dr. Eva Friederike Schultze-Berndt
Oxford Road
Manchester M13 9PL
GROßBRITANNIEN

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Tongues of the Semang: documenting endangered languages and indigenous knowledge among foragers of the Malay Peninsula

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre

"Semang" werden verschiedene Gruppen von Jägern und Sammlern auf der malaysischen Halbinsel genannt, deren Sprachen dem sogenannten Aslian-Zweig der Mon-Khmer-Sprachenfamilie zugerechnet werden und die traditionell in kleinen Gruppen von 15 bis 50 Personen im Regenwald leben. Ihr nomadischer Lebensstil hat dazu geführt, dass sie sich in immer neuen, auch sprachlich anderen Kontexten zusammengefunden haben, was Folgen für den Sprachgebrauch des individuellen Sprechers gehabt hat: Es herrscht ein großes Maß an idiolektaler Variation und Wechsel vor. Daher ist es schwierig, eindeutige Grenzen zwischen den verschiedenen Sprachen der Semang-Sphäre zu ziehen. Durch die Errichtung von "Regroupment Villages", die ursprünglich als Sicherheitsmaßnahme gegen den kommunistischen Aufstand in Malaysia zwischen 1948 und 1960 errichtet wurden, ist der Druck auf diese Sprachen und Kulturen verstärkt worden, verfügen sie doch über ein Gesundheitssystem, Schulen, Geschäfte, Entwicklungsprojekte und Programme zur Islamisierung. Im Rahmen des Projektes soll ein elektronisches Multimediaarchiv des Semang sowie des indigenen biologischen Wissens erstellt werden.

Max-Planck-Institut für Psycholinguistik
Language and Cognition
Professor Dr. Stephen C. Levinson
Postfach 310
6500 AH Nijmegen
NIEDERLANDE
Tel.: +31 24 352 1277
Fax: +31 24 352 1300
Homepage: http://www.mpi.nl/

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Documentation of Enets and Forest Nenets

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre

Enzisch und Waldnenzisch sind zwei hochgradig bedrohte Sprachen West-Sibiriens, die beide zu dem so genannten samojedischen Zweig der uralischen Sprachenfamilie gehören. Anzunehmen ist, dass nur noch rund 100 meist ältere Menschen Enzisch sprechen, das nie den Schritt zu einer standardisierten Orthografie erreichte und auch nie in der Schule unterrichtet worden ist. Für Waldnenzisch, das von Russland bzw. der Sowjetunion nie als eigene Sprache anerkannt worden ist, gibt es keinerlei statistisches Zahlenmaterial, sondern ausschließlich Schätzungen, die bei rund 1.000 bis 1.500 Sprechern liegen. Der Prozess der Russifizierung und damit der Unterdrückung der traditionellen Lebensweise hat mit aller Macht unter Stalin in den späten 1930er Jahren eingesetzt. Die Rentierherden wurden kollektiviert und die Nomaden zu einem festen Wohnsitz gezwungen. In den 1960er Jahren hat der Abbau von Rohstoffen in Sibirien die Umweltzerstörung noch verstärkt. Ziel des Vorhabens ist die Dokumentation des Enzisch und Waldnenzisch, wobei darüber hinaus soziolinguistische Aspekte der Sprachnutzung und -kompetenz von dem jungen deutsch-estnischen Team Florian Siegl unter Kaur Mägi unter der Leitung von Professor Künnap analysiert werden sollen.

University of Tartu
Division of Uralic Languages
Professor Dr. Ago Künnap
Ülikooli 18
EE-EE-50090 Tartu
ESTLAND
Tel.: +372 7 375 224
Fax: +372 7 375 222

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Kola-Sámi Documentation Project (KSDP): Linguistic and ethnographic documentation of the endangered Kola-Sámi languages

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre

Kildin, Skolt, Akkala und Ter sind die vier Sami-Sprachen Russlands, die alle bedroht sind. Obwohl die russischen Sami seit dem 15. Jahrhundert unter Russifizierungsdruck gestanden haben, konnten sie ihre soziale, ökonomische und kulturelle Identität bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bewahren. Durch den dann einsetzenden Rohstoffabbau und die militärische Aufrüstung der Gegend hat ein Zustrom anderer Kulturen eingesetzt, der - zusammen mit der Umsiedlung der Sami aus soziopolitischen, ökonomischen und militärischen Gründen - zu einer Zerstörung der ursprünglichen Sprechergemeinschaften geführt hat. Die Folge ist, dass die Sami-Sprachen so gut wie nicht mehr im öffentlichen Leben gesprochen werden. Ziel des Vorhabens ist eine Dokumentation, die ihren Fokus auf ungeplanten und unstrukturierten Erzählungen und Gesprächen sowie auf spontanen Äußerungen im Kontext der traditionellen Sami-Beschäftigung, wie beispielsweise der Rentierzucht und dem Handwerk, hat. Es geht um Lebensgeschichten, Geschichten von Örtlichkeiten, über die Arbeit und das Alltagsleben. Der größte Teil der Aufzeichnungen soll bei den Kildin durchgeführt werden.

Humboldt-Universität Berlin
Nordeuropa-Institut
Professor Dr. Yury Kuzmenko
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Tel.: 030 2093 9747
Fax: 030 2093 9626
Homepage: http://www2.hu-berlin.de/skan/personal/jk/jk.html

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Capacity building on a local and national level: Documenting Totoli, Central Sulawesi, Indonesia

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre

Das Vorhaben wurde am 03.08.2007 von Bochum nach Münster umgesetzt.

Mit über 700 Sprachen weist Indonesien einen großen Sprachenreichtum auf; rd. ein Drittel von ihnen werden aber nicht mehr an die Kindergeneration weitergegeben und Bahasa Indonesia setzt sich als Nationalsprache in Schule, Politik, Medien und auch immer stärker in der Alltagskommunikation durch. Zielsprache des Dokumentationsvorhabens ist das Totoli, das nur noch von rd. 10 Prozent der Totoli-Bevölkerung gesprochen wird. Das Totoli ist besonders interessant, da die Menschen - obwohl heute eine muslimische Gesellschaft - eine Reihe von Sprechritualen früherer Kulturformen bewahrt haben; dazu gehört auch eine Form eines verbalen Kampfes, der "Lelegesan" genannt wird. Ziel des Vorhabens ist eine umfassende Dokumentation dieser Sprache unter Berücksichtigung vor allem von Konversation und "Verbal Arts".

Universität Münster
Fachbereich Philologie
Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft
Prof. Dr. Nikolaus Himmelmann
Aegidiistraße 5
48143 Münster
Tel.: 0251 83 24491
Fax: 0251 83 29878
Homepage: http://www.uni-muenster.de/Sprachwiss/Mitarbeiter/Dozenten/Himmelmann/index.html

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DobeS-Archive Follow-Up Project

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre 

In Fortsetzung des Projektes "TIDEL - Tools and Infrastructure for the Documentation of Endangered Languages" wird die Arbeit des technischen Teams auch künftig auf den drei Säulen Archivaufbau, Projektunterstützung und Softwareentwicklung ruhen. Was das Archiv betrifft, wird einerseits die Integration der Sprachdaten fortgesetzt. Andererseits werden die Bemühungen um die Verstetigung des Archivs intensiviert, beispielsweise durch Mitarbeit im "Digital Access Management for Language Resources Project" der EU wie auch im DELAMAN-Network. Was die Projektunterstützung betrifft, geht es um die Ausrichtung der Trainingskurse für die neuen Dokumentationsteams sowie um die Hilfe für die einzelnen Projekte in vielen praktischen Punkten. Im Rahmen der Softwareentwicklung sollen drei neue Tools zur Verfügung gestellt werden: Das geplante Language Archive Management System LAMS hat zum Ziel, ein Web-basiertes automatisches Datenintegrations- und Managementsystem aufzubauen, das dem einzelnen Feldforscher erlaubt, seine eigenen Daten im Archiv einzuführen und zu pflegen. Das flexible Lexicon Tool LEXUS soll ermöglichen, dass mehrere Projektmitarbeiter gleichzeitig an ein und demselben Lexikon arbeiten können. Die Entwicklung des Annotation Exploitation Framework ANNEX soll die Funktionalität des Annotationstools ELAN über das Internet herstellen.

Max-Planck-Institut für Psycholinguistik
Peter Wittenburg
Postfach PB 310
6500 AH Nijmegen
NIEDERLANDE
Tel.: +31 24 3521911
Fax: +31 24 3521213
Homepage: http://www.mpi.nl

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